Das Festival

Das Festival der Sprachen (Esperanto: Lingva Festivalo) ist ein Kultur- und Bildungsprojekt, das von Esperantisten in einigen Städten Russlands und im Ausland organisiert wird. Der Schwerpunkt des Festivals ist die Präsentation verschiedener Sprachen. Die Präsentation jeder Sprache dauert 30-40 Minuten. In dieser Zeit kann man die Sprache hören, ein paar Sätze lernen, etwas über die Geschichte und Entwicklung der Sprache erfahren und sich einfach mit dem Vertreter einer anderen Kultur unterhalten. Ausserdem kann man die Lebensverhältnisse anderer Nationen durch die Bekanntschaft mit anderen Sprachen besser kennenlernen.

Die Vorstellungen des Festivals der Sprachen finden gleichzeitig statt, sodass es für die Teilnehmer nicht immer leicht ist, die richtige Wahl zu treffen. Da hilft die erste Bekanntschaft mit den Lehrern des Festivals sehr, die bei seiner Eröffnung stattfindet. Es kommen alle Lehrer der Reihe nach auf die Bühne und sagen ein paar Wörter in der Sprache, die sie vorstellen werden. Eine Sprache ersetzt die andere und es entsteht der Eindruck, als ob sich eine neue, farbenprächtige Seite der Welt offenbart, die durch den Umgang mit Menschen und mit der Sprache verwirklicht wird. Genau hier und jetzt kann die Berührung dieses Reichtums stattfinden, und der aufstrebende Weg zum Verständnis der Kultur eines anderen Volks durch den Kontakt mit seiner Sprache kann beginnen.

Wie alles begonnen hat?

Die Idee des Festivals der Sprachen stammt von dem amerikanischen Esperantisten Dennis Keefe, der das erste Festival dieser Art in der französischen Stadt Tours im Jahr 1995 durchführte. Ein Bericht über das Festival wurde im internationalen Esperanto-Magazin ‚Kontakto’ veröffentlicht, und bereits im folgenden Jahr 1996 wurde ein erstes ähnliches russisches Festival der Sprachen in Tscheboksary (Republik Tschuwaschien) organisiert.

Heute finden diese Sprachenfestivals mit Erfolg nicht nur in Tscheboksary, sondern auch in Moskau, Sankt Petersburg, Volgograd, Odessa, Uljanovsk und einigen anderen Städte Russlands und benachbarter Staaten statt. Im Dezember 2006 fand eine Ausgabe des Festivals erstmals in Moskau und 2007 in Sankt Petersburg statt.

Wozu braucht man das?

Das Ziel des Sprachenfestivals ist eine Atmosphäre der Völkerverständigung ohne Formalismus und ohne Stereotypen zu schaffen. Wir möchten die Aufmerksamkeit auf die Vielfalt der Sprachenwelt lenken und erklären, dass die Menschheit nicht 5-10 Sprachen, sondern 3-6 Tausend Sprachen nutzt.

Jede Sprache ist ein Instrument der Unterhaltung – man stelle sich vor, dass die Menschen in einer Sprache ihre Liebe bekennen, Wiegenlieder für Kinder singen, miteinander Freuden und Unglück teilen, lachen und weinen. Eine Reise in die Welt der Sprachen kann endlos sein und jeder, der beschlossen hat, sie zu tun, ist ein Entdecker, eine Entdeckerin, der/die ausserhalb seiner/ihrer eigenen Sprache viele Türen zu anderen Nachbarwelten gefunden hat.

Bevor man von der Vielfalt der Sprachenwelt spricht, sollte man einen festen Halt finden. In der Sprachenwelt ist es der Raum der Muttersprache. Das ist ein Koordinatensystem, das in uns seit unserer Geburt festgelegt ist, das sind die ersten Wörter und Formen, die von unseren Vorfahren verwendet wurden. Wenn wir von unserer Sprache sprechen, muss man verstehen, dass sie nur dann Gewicht erhält, wenn wir beginnen, sie zu schätzen. Durch das Festival der Sprachen möchten wir die Idee des Werts der angeborenen Sprache, die Teilnahme an der urwüchsigen Kultur, die in der Sprache verwirklicht und erhalten ist, bekunden und vermitteln.

Zum besseren Verständnis der Welt und unseres Platzes darin trägt das Studium von Fremd- und Nationalsprachen bei. Fremdsprachen helfen uns bei der beruflichen Karriere, beim Reisen, die Kulturen anderer V?lker kennenzulernen. Nationalsprachen ermöglichen uns, ein bestimmtes Volk, seine Kultur, seine Mentalität und selbst einige seiner Geheimnisse besser zu verstehen. Nationalsprachen lernen heisst verstehen zu lernen, eine gemeinsame Sprache zu finden und die Wertschätzung durch die Angehörigen der einheimischen Völker zu erlangen. Ein wichtiges Ziel des Festivals der Sprachen ist also, das Interesse für das Erlernen und Studieren von Fremd- und Nationalsprachen zu fördern.

Es gibt keine Sprachen, die hauptsächlicher oder bedeutungsloser wären; richtiger wäre, sie „grosse“ und „kleine“ Sprachen zu nennen. „Grosse“ Sprachen sprechen ziemlich viele Menschen und „kleine“ sprechen wenige. Jede Sprache ist einmalig. Jede Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis der Welt. Wenn wir die Würde und die Bedeutung einer Sprache schmälern, vermindern wir die Würde und die Bedeutung einer ganzen Gruppe von Menschen, die diese Sprache als Heim- oder Muttersprache verwendet. Wir sind für sprachliche Gleichberechtigung, die auf der gegenseitigen Achtung und des Verständnisses beruht.

Zweifellos gibt es in der vielsprachigen Welt auch Probleme bei der internationalen Verständigung – es ist unmöglich, alle Sprachen zu lernen. Wenn wir für die internationale Verständigung eine bestimmte Nationalsprache wählen, dann wenden wir automatisch auch die kulturellen Werte dieses Sprachvolks an. Ausserdem werden wir eine solche Fremdsprache nie so gut beherrschen, wie es die Menschen, die diese Sprache als Muttersprache besitzen, tun. Als Alternative stellen wir die internationale Hilfssprache Esperanto vor. Esperanto dient der Schaffung gleichberechtigter Bedingungen für die Verständigung zwischen den Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen.

Esperanto ist eine Sprache, die keinem bestimmten Autor und keinem besonderen Volk gehört und nicht an eine bestimmte Kultur gebunden ist, aber die Fähigkeit besitzt, die Besonderheiten anderer Sprachen in sich aufzunehmen und so zum befähigten Vermittler für die Kommunikation wird. Esperanto ist leicht erlernbar, weil es im gleichen Mass allen gehört und die gleichberechtigte Verständigung gewährleistet.